Eine etwas andere Woche durften die Jugendlichen der Jugendhilfeeinrichtung Freedom aus Lackenhäuser erleben. Am Sonntagmorgen machten sich 12 Jugendliche und 2 Betreuer auf den Weg in das Freilichtmuseum Finsterau um in das „Leben anno dazumal“ einzutauchen.
Für die kommenden 5 Tage sollte das Denkhaus, welches in fußläufiger Entfernung zum Museum liegt und für Gruppen zu mieten ist, ihr „Zuhause auf Zeit“ sein.
Selbstversorgung war angesagt, die Mahlzeiten selbst zubereiten, arbeiten wie früher, oder Brotbacken waren einige der Herausforderungen dieser Woche.
Aber der Reihe nach:
Eine Auszeit vom Alltag sollte es sein. Die Programmpunkte waren gesetzt, manche entstanden noch zufällig. Klar war: Vom Frühstück über das Mittagessen bis hin zum Abendessen muss man sich selbst darum kümmern, was auf den Tisch kommt. Eine Herausforderung dabei: Kochen auf dem Holzofen. Früher selbstverständlich, heute nur mehr in wenigen Haushalten zu finden. Wie viel muss geheizt werden? Wo platziert man den Topf?
Der Speiseplan war ambitioniert: Von Nudeln bis hin zu Schweinebraten mit selbstgemachten Knödeln wurde alles zubereitet.
Am Sonntagnachmittag wurde noch gemütlich die Umgebung erkundet, am Montag begannen dann die Arbeitseinsätze.
Herbstzeit ist Erntezeit. So auch im Museum in Finsterau. Äpfel mussten gepflückt, und zur Presse gebracht werden. Das Ergebnis der Arbeit: der eigene Apfelsaft. So erhalten Lebensmittel eine andere Wertigkeit. Fast noch ein bisschen warm konnte der frische Saft auch gleich probiert werden.
Kreativ sein konnten die Teilnehmer des Schmiedekurses. In der Museumsschmiede durften sie selbst Hand anlegen und das Eisen schmieden. Klassische Programme aus der Museumspädagogik wie „Vom Schaf zur Wolle“ standen genauso auf dem Plan wie das Versorgen der Pflanzen und Blumen in den Museumsgärten. Die zahlreichen Geranien an den Fenstersimsen der alten Gebäude und die Gärten, in denen alles wächst, was man früher zur Selbstversorgung brauchte, mussten gegossen werden.
Ein Programmpunkt, den alle Teilnehmer mitmachen wollten, war das Aufspüren des Borkenkäfers. Gemeinsam mit dem Hausmeister des Museums, gings auf in den Museumswald. Hier wurden befallene Bäume aufgespürt und markiert, um zu kennzeichnen, welche Bäume entfernt werden müssen. Eine klassische Aufgabe in der Waldwirtschaft.
Arbeitsreich ging es auch im Salettl zu. Die Tische und Stühle, die seit der Einweihung im Jahre 2013 doch schon einige Gebrauchsspuren aufweisen, wurden in mühevoller Handarbeit abgeschliffen und neu versiegelt.
Am Donnerstag stand Brotbacken auf dem Stundenplan. Von der Herstellung des Teigs bis zum Einschießen der Laibe in den alten Holzbackofen wurde Bettina Fisch, Betreuerin der Einrichtung und zudem die Museumsbäckerin, von den Jugendlichen unterstützt. Die Wartezeit, bis man die fertigen Laibe aus dem Ofen holen konnte, wurde genutzt, um frische, knusprige Sengzelten zu backen. Das Mittagessen für diesen Tag war so gleich zubereitet. Zur Brotzeit am Abend kam das frische Brot auf den Tisch.
Angeboten wurde auch eine Wanderung zum nahegelegenen Reschbach mit vielen Informationen: So wurden Reste der Trift gezeigt und die Entwicklung der Kulturlandschaft hin zum Nationalpark erklärt. Bei einer anschließenden gemütlichen Kutschfahrt konnte man die traumhafte Landschaft des Reschbachtals aus einer anderen Perspektive erfahren.
Am Ende der Woche zog Benjamin Münich, der verantwortliche Betreuer für diese Woche, Bilanz:
„Wir wussten selbst nicht so recht, was uns genau erwartet und ob unser Experiment funktioniert. Zurück zu den Wurzeln, sich auf das Wesentliche beschränken, wenig Technik, im wahrsten Sinne des Wortes „Leben im Museum“ - es hat sich zu 100 Prozent gelohnt! Die Jugendlichen waren von der ersten Minute an voll motiviert und interessiert.“ Begeistert und mit vielen wertvollen Erfahrungen im Gepäck, reiste die Gruppe zurück nach Lackenhäuser. „Wir werden auch im Nachgang noch viel über Finsterau sprechen und uns mit Freude daran erinnern.“
Auch die Mitarbeiter des Museums, die im Laufe dieser Woche mit den Jugendlichen gearbeitet haben, zeigten sich begeistert von der Einsatzbereitschaft der Jugendlichen.
Eine tolle Erfahrung für alle Beteiligten.
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